„Ich war im Gefängnis, und ihr seid zu mir gekommen.“ (Mt 25,36)
Häftlinge zu besuchen ist eines der Werke der Barmherzigkeit. Und wer sich dazu berufen fühlt, empfindet diese Arbeit nicht als Last, sondern als Gnade. Ich selbst durfte diese Arbeit dreizehn Jahre lang ausüben, zunächst als freiwillige Helferin, später in einem bezahlten Dienstverhältnis. Aber ich durfte auch andere Seelsorger unterrichten. Und eigentlich sagten sie alle dasselbe: Wir begegnen im Gefängnis keine Kriminellen, sondern Menschen. Menschen, die in den meisten Fällen zu Recht eine Strafe verbüßen oder noch vor Gericht stehen müssen. Menschen, die schreckliche Taten begangen haben, aber auch Fehler, die Sie und ich ebenfalls begehen könnten.
Als Seelsorger begegnet man also Menschen in ihren Zellen, die mit Schuld und den Folgen ihrer Taten umgehen müssen. Menschen, die so alt sind wie Ihre Kinder oder wie Ihre (Groß-)Eltern – und alles dazwischen. Menschen, die offen mit Ihnen sprechen, und andere, die keine Worte finden. Menschen, die dennoch auf die eine oder andere Weise den Kontakt zu einem Seelsorger suchen, weil sie gläubig sind, Gott suchen oder nach dem Sinn all dessen, was geschehen ist. Oder vielleicht suchen sie einfach nur nach Aufmerksamkeit oder nach einem Ventil bzw. einem Gesprächspartner, weil Seelsorger Zeit haben und gut zuhören können – auch dem, was nicht gesagt wird. Und das ist eigentlich auch das Einzige, was man den Menschen hinter den Gefängnismauern geben kann: Zeit und die Bereitschaft zuzuhören – aber das reicht oft schon aus.
Glücklicherweise ist man bei dieser Arbeit nicht auf sich allein gestellt. Man arbeitet mit Kollegen zusammen – protestantisch-evangelischen Seelsorgern –, mit denen man sich abstimmen kann und gemeinsam die Gottesdienste oder Bibelkreise im Gefängnis organisiert. Seit einigen Jahren gibt es auch die Möglichkeit zur gegenseitigen Beratung mit anderen Kollegen in anderen Gefängnissen. Je nach Gefängnis arbeitest du aber auch mit Kollegen aus anderen anerkannten Glaubensgemeinschaften und Weltanschauungen zusammen. Und es gibt Weiterbildungen, die vor allem auf die Praxis ausgerichtet sind.
Die Arbeit als Seelsorger ist nicht für jeden das Richtige. Man hört Geschichten, die man lieber nicht hören würde, man sieht Dinge, die man lieber nicht sehen würde. Man arbeitet innerhalb eines streng reglementierten Rahmens von Sicherheitsprotokollen, die man einhalten muss und die für jede Haftanstalt unterschiedlich sind. Ob man damit zurechtkommt, weiß man erst, wenn man ein paar Mal in der Haftanstalt war und wirklich gespürt hat, was es mit einem macht, wenn sich die Türen auch hinter einem schließen.
In den meisten Gefängnissen ist es möglich, als Besucher an einem Gottesdienst teilzunehmen und auf diese Weise das Team und die Arbeit kennenzulernen. Einige Gemeinden wirken bei Oster- und Weihnachtsgottesdiensten mit. Auch das bietet nicht nur Einzelpersonen, sondern auch Gemeinden Möglichkeiten zum Kennenlernen.
Für die musikalische Begleitung in den Gottesdiensten werden manchmal feste ehrenamtliche Helfer eingesetzt, die Klavier, Gitarre oder ein anderes Instrument spielen. In diesem Fall besuchst du keine Zellen, doch dein Einsatz wird deshalb nicht weniger geschätzt.
Übrigens gibt es auch andere Wege, als Freiwillige(r) Häftlinge zu besuchen, die sonst keinen Besuch erhalten. Welche Einrichtung oder Organisation solche Freiwilligenbesuche organisiert, ist von Gefängnis zu Gefängnis unterschiedlich. Bedenken Sie jedoch, dass es sich in diesen Fällen um eine Arbeit handelt, die weltanschaulich streng neutral ist.
Wer Seelsorger werden möchte, sollte bedenken, dass auch diese Tätigkeit oft ehrenamtlich ist und dass man mindestens 4 Stunden pro Woche zur Verfügung stehen muss. Auch wer im bezahlten Rahmen tätig ist, tut dies – von Ausnahmen abgesehen – nur an einem Tag pro Woche.
Für weitere Informationen verweisen wir Sie gerne auf die Website https://nl.protestant.link/aalmoenzenier-in-de-gevangenis/. Dort finden Sie weitere Informationen zu den Voraussetzungen.
Bei Fragen, für das Anmeldeformular und weitere Informationen können Sie sich jederzeit an mich, Pfarrerin Eefje van der Linden, eef.van.der.linden@telenet.be, oder an meinen französischsprachigen Kollegen, Pfarrer Frederic Teule, Frederic.Teulembeya@just.fgov.be, wenden.
Pfär. Eefje van der Linden
Rabotkerk, Gent

